Bild: istock (sme­de­vac)

TRANSPORTMANAGEMENT

Wie Sie die Datenqualität in Ihrer Disposition in den Griff bekommen

Lese­zeit: 5 min

Die Auto­ma­ti­sie­rung der Dis­po­si­ti­on ver­heißt eine Rei­he von Vor­tei­len. Über die­se hat­te ich in mei­nem letz­ten Blog-Bei­­trag bereits aus­führ­lich berich­tet. All die­se Vor­tei­le ein­zu­fah­ren, ist jedoch kein Selbst­gän­ger. Viel­mehr muss einer­seits zuvor sicher­ge­stellt wer­den, dass eini­ge wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind und ande­rer­seits erfor­dert die Ein­füh­rung einer auto­ma­ti­sier­ten Dis­po­si­ti­on wie jede Pro­zess­ver­bes­se­rung und jede Soft­ware­ein­füh­rung ein über­leg­tes und struk­tu­rier­tes Vor­ge­hen. Ande­ren­falls sind ent­täusch­te Erwar­tun­gen vor­pro­gram­miert. Die Gestal­tung des Ein­füh­rungs­pro­zes­ses wird The­ma eines mei­ner nächs­ten Bei­trä­ge wer­den.

Im heu­ti­gen Bei­trag möch­te ich aber die aus mei­ner Sicht wich­tigs­te Vor­aus­set­zung für eine Auto­ma­ti­sie­rung der Dis­po­si­ti­on in den Fokus stel­len und die Fra­ge beleuch­ten: „Haben Sie alle für eine auto­ma­ti­sche Dis­po­si­ti­on not­wen­di­gen Daten im Griff?“ Falls Sie die­se Fra­ge ver­nei­nen müs­sen, wird es schwie­rig bis unmög­lich wer­den, die Vor­tei­le der Auto­ma­ti­sie­rung tat­säch­lich ein­zu­fah­ren. Eine alte IT-Weis­heit sagt: „Gar­ba­ge in, gar­ba­ge out“. Damit Sie für die Ein­füh­rung einer auto­ma­ti­sier­ten Tou­ren­pla­nung bes­tens gewapp­net sind, hal­te ich heu­te ein Plä­doy­er für Daten­qua­li­tät.

Spiegeln Ihre Daten die betriebliche Realität wider?

Auto­ma­ti­sie­rung heißt immer, dass eine Maschi­ne den Men­schen bei Pro­zes­sen und Ent­schei­dun­gen unter­stützt. Die Maschi­ne kann dabei aber nur die digi­tal vor­lie­gen­den Daten nut­zen. Spie­geln die­se Daten nicht die betrieb­li­che Rea­li­tät wider bzw. sind die­se von schlech­ter Qua­li­tät, so wird auch ein auto­ma­ti­siert erstell­tes Ergeb­nis unbe­frie­di­gend sein. Die Auto­ma­ti­sie­rung bringt dann kei­nen Vor­teil. Im Gegen­teil: Wer­den auto­ma­ti­siert errech­ne­te Ergeb­nis­se oder Plä­ne befolgt, obwohl die­se auf einer unsau­be­ren Daten­ba­sis beru­hen, kann das zu deut­lich schlech­te­ren Resul­ta­ten füh­ren.

War­um ist die Daten­qua­li­tät über­haupt ein The­ma; inner­halb der manu­el­len Pro­zes­se benö­tig­te man die Daten doch auch bereits? Die Ant­wort ist so sim­pel wie ein­leuch­tend: Bei manu­el­len Pro­zes­sen wird immer sehr viel impli­zi­tes Wis­sen der Akteu­re genutzt. Ein Vor­ge­hen nach dem Sche­ma „Wie bit­te, der Lkw ist 20 cm zu kurz? Das ist doch Quatsch, die Lkw sind alle län­ger, als in den Daten steht; das hat bis­her immer gepasst“, kann ein digi­ta­ler Pro­zess nicht nach­bil­den. Soll er auch über­haupt nicht. Die ver­brei­te­te Kom­bi­na­ti­on aus fal­schen Daten und manu­el­ler Kor­rek­tur per „Bauch­ge­fühl“ soll­te gene­rell bes­ser durch kor­rek­te Daten abge­löst wer­den. Aus die­sem Grund ist es sehr wich­tig, sich mit hoher Prio­ri­tät um die Qua­li­tät der eige­nen Daten zu küm­mern. Bei Nicht­be­ach­tung führt dies bei den Anwen­dern lei­der häu­fig zu Frust und zu einer Ableh­nung neu­er Sof­t­­wa­re-Tools.

Im Fokus ste­hen dabei ins­be­son­de­re fol­gen­de Daten:

Auftrags- und Artikeldaten
  • Ent­spre­chen ange­ge­be­ne Zeit­fens­ter tat­säch­lich den Kun­den­prä­fe­ren­zen oder besteht impli­zi­tes oder Erfah­­rungs-Wis­­sen bzw. sind die wirk­li­chen Prä­fe­ren­zen ggf. abwei­chend oder dehn­bar? (Bei­spiel: Der Ter­min liegt zwar am Nach­mit­tag, der Kun­de wird den­noch lie­ber gleich früh am Mor­gen belie­fert).
  • Sind die Arti­kel­da­ten (Kapa­zi­täts­be­darf, beson­de­re Eigen­schaf­ten, etc.) kor­rekt vor­han­den?
Standortdaten
  • Sind die Öff­nungs­zei­ten bekannt, aktu­ell und rich­tig?
  • Ver­fü­gen wir über kor­rek­te und prä­zi­se Adress- bzw. Loka­li­sie­rungs­da­ten?
Fahrzeugdaten
  • Sind die Fahr­zeug­stamm­da­ten und die Kapa­zi­tä­ten sau­ber erfasst?
  • Sind rele­van­te Fahr­­zeug-Eigen­­schaf­­ten und Hilfs­mit­tel (z. B. Mit­nah­me­stap­ler) zen­tral erfasst?

Sie suchen eine smar­te Tou­ren­pla­nungs­tech­no­lo­gie?

Ler­nen Sie OPHEO ken­nen — die Kom­plett­lö­sung für die Lkw-Dis­­po­­si­­ti­on.

Kalender

Bild: iStock (sub­tik)

Dabei hilft, sich klar zu machen, dass die­se Daten eigent­lich ohne­hin benö­tigt wer­den. Bei manu­el­len Ent­schei­dun­gen nutzt nur jeder Ent­schei­der ggf. sei­ne eige­ne Ver­si­on der Daten – eine Kom­bi­na­ti­on aus expli­zi­ten Daten und Bauch­ge­fühl. Bei auto­ma­ti­sier­ten Ent­schei­dun­gen müs­sen die­se Daten aber alle digi­tal in EINER Ver­si­on vor­lie­gen. Ein nicht zu unter­schät­zen­der zusätz­li­cher Vor­teil ein­deu­ti­ger, digi­tal vor­lie­gen­der Daten ist, dass damit alle Ent­schei­dun­gen klar nach­voll­zieh­bar wer­den. Eine nach­träg­li­che Aus­wer­tung wird dadurch wesent­lich kla­rer. Die Mühe, die Daten auf ein gutes Qua­li­täts­ni­veau zu brin­gen, ist daher ohne­hin loh­nens­wert.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie in der Disposition eigentlich?

In engem Zusam­men­hang mit der Daten­qua­li­tät steht das Bewusst­sein über die tat­säch­li­chen eige­nen Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en und die eige­ne ope­ra­ti­ve Ziel­set­zung. Natür­lich wol­len Sie zuge­sag­te Ter­mi­ne mög­lichst ein­hal­ten, Ihre Fah­rer effi­zi­ent ein­set­zen, die­se bei der Ver­tei­lung von Tou­ren fair behan­deln und natür­lich die ins­ge­samt zu fah­ren­de Stre­cke mög­lichst gering hal­ten. Aber kön­nen Sie klar bestim­men, wel­ches die­ser Zie­le für Sie am wich­tigs­ten ist? Kön­nen Sie fer­ner die­se und ggf. wei­te­re Zie­le auch in Rela­ti­on zuein­an­der set­zen? Wie­viel Ver­spä­tung ist für Sie bei­spiels­wei­se akzep­ta­bel, um 100 km Weg­stre­cke ein­zu­spa­ren? Mit ande­ren Wor­ten: Kön­nen Sie kla­re Regeln defi­nie­ren, auf deren Basis eine auto­ma­ti­sier­te Ent­schei­dung getrof­fen wer­den kann?

Ist für mich trans­pa­rent, nach wel­chen Kri­te­ri­en in der Dis­po­si­ti­on Plä­ne ent­wor­fen und Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den (sol­len)?

Bild: iStock (goro­den­koff)

Kei­ne Sor­ge! Wenn Sie dies ad hoc nicht kön­nen, befin­den Sie sich in guter Gesell­schaft. Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en expli­zit fest­zu­le­gen und ver­schie­de­ne kon­kur­rie­ren­de Zie­le zuein­an­der in Rela­ti­on zu set­zen, stellt durch­aus eine Her­aus­for­de­rung dar. Aus dem Steh­greif ist dies den wenigs­ten Anwen­dern mög­lich. Den­noch ist es lei­der not­wen­dig – schließ­lich wol­len Sie auto­ma­ti­siert erstell­te Plä­ne erhal­ten, die genau Ihre Prä­fe­ren­zen wider­spie­geln.

Ver­schaf­fen Sie sich sich im Vor­we­ge Klar­heit über die von Ihnen oder Ihren Dis­po­nen­ten ver­folg­ten Ent­schei­dungs­re­geln! Da bei Ihnen jeden Tag Tou­ren­plä­ne erstellt wer­den, gibt es die­se ja. Nur sind sie zum Teil ver­bor­gen in den Köp­fen Ihrer Dis­po­nen­ten. Mög­li­cher­wei­se kom­men bei ver­schie­de­nen Dis­po­nen­ten auch jeweils unter­schied­li­che Kri­te­ri­en zur Anwen­dung – eine gute Gele­gen­heit die­se gemein­sam soweit mög­lich expli­zit fest­zu­le­gen und dabei vor allem auch zu ver­ein­heit­li­chen.

Alter­na­tiv kön­nen Sie die­se „Übung“ auch noch in der Ein­füh­rungs­pha­se eines Soft­ware­sys­tems zur auto­ma­ti­schen Dis­po­si­ti­on gemein­sam mit Ihrem Soft­ware­part­ner oder Bera­ter machen. Dabei kön­nen geeig­ne­te Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en oder eine Gewich­tung ver­schie­de­ner Ziel­kri­te­ri­en zum Bei­spiel schritt­wei­se erar­bei­tet wer­den. Erstel­len Sie einen ers­ten Plan und bewer­ten Sie die­sen. Zu vie­le Ver­spä­tun­gen? Dann gewich­ten Sie die Ter­min­ein­hal­tung höher! Wich­tig ist hier­bei natür­lich, dass die gewähl­te Tou­ren­pla­nungs­soft­ware eine sol­che indi­vi­du­el­le Gewich­tung ver­schie­de­ner Ziel­set­zun­gen unter­stützt. Das tun bei wei­tem nicht alle!

Am Ende gewin­nen Sie bei die­sem Pro­zess – ähn­lich wie bei der Daten­qua­li­tät – Trans­pa­renz über Ihre tat­säch­li­chen Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en bzw. Ihre tat­säch­li­chen Prä­fe­ren­zen hin­sicht­lich der Ziel­set­zung. Die­se ist dann auch ein­heit­lich und weicht nicht mehr von Dis­po­nent zu Dis­po­nent ab.

Das Posi­ti­ve dabei: Sobald Sie die Trans­pa­renz ein­mal haben, kön­nen Sie Ihre Prä­fe­renz auch expli­zit ver­än­dern! Sind zum Bei­spiel Ihre Kun­den unzu­frie­den auf­grund häu­fi­ger Ter­min­ver­let­zun­gen, kön­nen Sie die Ter­min­treue nun zen­tral ein­heit­lich und expli­zit höher gewich­ten und damit auf direk­tem Weg Ihre über­ge­ord­ne­ten Unter­neh­mens­zie­le bes­ser unter­stüt­zen.

Fazit

Die Ver­än­de­rung von Geschäfts­pro­zes­sen und die Ein­füh­rung von Soft­ware­sys­te­men ist nahe­zu immer auf­wän­dig und her­aus­for­dernd. Dies gilt im Beson­de­ren, wenn dabei – wie bei der Dis­po­si­ti­on – kom­ple­xe Ent­schei­dungs­pro­zes­se auto­ma­ti­siert wer­den. Das bedeu­tet aber kei­nes­wegs, dass Sie davor zurück­schre­cken soll­ten. Dafür sind die Vor­tei­le einer Auto­ma­ti­sie­rung der Dis­po­si­ti­on ein­fach zu bedeu­tend. Das bedeu­tet aller­dings, dass Sie die not­wen­di­gen Grund­la­gen für die Auto­ma­ti­sie­rung schaf­fen und ernst neh­men soll­ten. Krie­gen Sie Ihre Daten in den Griff! Dann ist die ers­te gro­ße Hür­de bewäl­tigt und Sie kön­nen damit begin­nen, all die Vor­tei­le einer Auto­ma­ti­sie­rung der Dis­po­si­ti­on aus­zu­nut­zen.

Der Arti­kel hat Ihnen gefal­len? Dann wür­de ich mich freu­en, wenn Sie ihn über die fol­gen­den Share-But­­tons mit Ihrem Netz­werk tei­len. Vie­len Dank dafür.

Dr. Sebastian Friedrich
Autor:
Dr. Sebas­ti­an Fried­rich
Im Jahr 2006 pro­mo­vier­te der Spe­zia­list für mathe­ma­ti­sche Opti­mie­rungs­al­go­rith­men am Insti­tut für Wirt­schafts­in­for­ma­tik der Uni­ver­si­tät Ham­burg über Ver­fah­ren für die tak­ti­sche Pla­nung der Sup­ply Chain. Seit 2014 lei­tet Dr. Fried­rich bei der ini­ti­ons AG den Bereich Mathe­ma­ti­sche Opti­mie­rung. Sei­ne zen­tra­le Auf­ga­be ist die Koor­di­na­ti­on sämt­li­cher Ent­wick­lungs­ar­bei­ten im Bereich Tou­ren­pla­nung und Dis­po­si­ti­on für den Trans­port­leit­stand OPHEO. Zuvor arbei­te­te Dr. Fried­rich in lei­ten­der Posi­ti­on bei der Luft­han­sa Tech­nik Logis­tik Ser­vices GmbH, wo er zuletzt für die Stra­te­gie­ent­wick­lung des Geschäfts­be­rei­ches Gerä­te­lo­gis­tik ver­ant­wort­lich war.

Per E‑Mail abonnieren

 

Blei­ben Sie immer auf dem Lau­fen­den mit unse­rem Blog-Abo!

Jetzt
anmel­den

eBook Schritt für Schritt zur automatischen Lkw-Disposition

Schritt für Schritt zur auto­ma­ti­schen Lkw-Dis­­po­­si­­ti­on

Laden Sie sich jetzt das eBook her­un­ter und nut­zen Sie das Wis­sen unse­rer Exper­ten.

initions eBook Schritt für Schritt zur automatischen Lkw-Disposition

Schritt für Schritt zur auto­ma­ti­schen Lkw-Dis­­po­­si­­ti­on

Laden Sie sich jetzt das eBook her­un­ter und nut­zen Sie das Wis­sen unse­rer Exper­ten.

Menü