Bild: iStock (Jag_cz)

TRANSPORTMANAGEMENT

Welches Lkw Transport Management System ist für mich das richtige?

Lese­zeit: 5 min

Der Begriff Trans­port Manage­ment Sys­tem (auch kurz: TMS) wird heut­zu­ta­ge sehr weit gefasst. Die ver­schie­de­nen, unter dem Schlag­wort TMS für den Stra­ßen­gü­ter­ver­kehr ange­bo­te­nen Soft­ware­lö­sun­gen, unter­schei­den sich zum Teil ganz erheb­lich in den unter­stütz­ten Funk­tio­na­li­tä­ten. Wel­ches Sys­tem für den Anwen­der das pas­sen­de ist, hängt maß­geb­lich von der Fra­ge ab, wel­cher Teil des Trans­port­pro­zes­ses und wel­che Anwen­der­grup­pe im Unter­neh­men unter­stützt wer­den soll. In die­sem Arti­kel wird eine Ein­tei­lung in 5 Klas­sen von TMS-Lösun­­gen vor­ge­stellt, die den Anwen­dern einen bes­se­ren Über­blick über die ange­bo­te­nen Sys­te­me geben soll.

Am Prozess beteiligte User und Abteilungen

Zur Klas­si­fi­zie­rung der ver­schie­de­nen Trans­port Manage­ment Sys­te­me ist zunächst ein Blick auf die ver­schie­de­nen am Trans­port­pro­zess betei­lig­ten Mit­ar­bei­ter hilf­reich. Es las­sen sich fol­gen­de direkt oder indi­rekt betei­lig­te Per­so­nen­grup­pen und Abtei­lun­gen im Unter­neh­men iden­ti­fi­zie­ren:

  • Lager: Ist für Umschlag, Ein­la­ge­rung sowie die recht­zei­ti­ge und voll­stän­di­ge Bereit­stel­lung der zu trans­por­tie­ren­den Waren ver­ant­wort­lich. Bei rei­nen Trans­port­un­ter­neh­men ent­fällt die­se Funk­ti­on, da die Waren­be­reit­stel­lung durch den Ver­sen­der erfolgt.
  • Ver­trieb & Ver­wal­tung: Erstel­len Ange­bo­te und Auf­trä­ge und füh­ren nach erfolg­reich durch­ge­führ­tem Trans­port die Nach­be­ar­bei­tung, wie z.B. die Abrech­nung der Leis­tung durch.
  • Dis­po­nen­ten: Füh­ren die Tou­ren­pla­nung sowie die Fahr­zeug- oder Dienst­leis­ter­zu­ord­nung durch, über­wa­chen die lau­fen­den Trans­por­te und müs­sen auf unvor­her­ge­se­he­ne Pla­n­ab­wei­chun­gen vor­be­rei­tet sein.
  • Fah­rer: Sind für die Durch­füh­rung der von den Dis­po­nen­ten geplan­ten Trans­por­te ver­ant­wort­lich. Dies beinhal­tet neben der rei­nen Fahr­tä­tig­keit oft auch unter­stüt­zen­de Arbei­ten bei der Be- und Ent­la­dung, ins­be­son­de­re die Ladungs­si­che­rung.
  • Fuhr­park­ma­na­ger: Sind dafür zustän­dig, dass die Fahr­zeu­ge in tech­nisch ein­wand­frei­em Zustand für die Trans­por­te bereit­ste­hen. Außer­dem über­wa­chen sie die lau­fen­den Fuhr­park­kos­ten, z.B. für Treib­stof­fe, Instand­hal­tung und Repa­ra­tu­ren.
Fünf Klassen von TMS-Lösungen

Anhand der am Trans­port­pro­zess betei­lig­ten Per­so­nen­grup­pen und ihrer Tätig­kei­ten, kön­nen nun fünf grund­le­gen­de Klas­sen von Trans­port Manage­ment Sys­te­men iden­ti­fi­ziert wer­den. Jede legt einen ande­ren Schwer­punkt auf die Unter­stüt­zung der im Pro­zess anfal­len­den Auf­ga­ben (sie­he auch Abb. 1).

Abb.1: Klas­si­fi­zie­rung von Trans­port Manage­ment Sys­te­men

ERP- und Speditionssoftware

Die admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben in Indus­trie und Han­del wer­den in der Regel durch ERP-Sys­­­te­­me unter­stützt. Sie decken Pro­zes­se wie Ange­bots­er­stel­lung, Auf­trags­we­sen und Abrech­nung ab, teil­wei­se sogar bis hin zur Buch­hal­tung. Häu­fig sind auch Modu­le zur Bestands­füh­rung und Lager­ver­wal­tung ent­hal­ten. ERP-Sys­­­te­­me wer­den in der Regel zwar nicht expli­zit als Trans­port Manage­ment Sys­te­me bezeich­net, ent­hal­ten oft aber auch ein­fa­che Basis­funk­tio­nen für die Tou­ren­pla­nung und wer­den des­halb der Voll­stän­dig­keit hal­ber in die­ser Klas­si­fi­ka­ti­on mit auf­ge­führt.

ERP-Lösun­­gen, die auf die Anfor­de­run­gen von Spe­di­tio­nen zuge­schnit­ten sind, wer­den als Spe­di­ti­ons­soft­ware­sys­te­me bezeich­net. Sie exis­tie­ren seit den 1990er Jah­ren und kön­nen als die ers­ten Trans­port­ma­nage­ment­sys­te­me im enge­ren Sin­ne ange­se­hen wer­den. Als zen­tra­les Admi­nis­tra­ti­ons­sys­tem soll­ten sie in kei­ner Spe­di­ti­on feh­len. Die Lösun­gen unter­stüt­zen oft auch die Fuhr­park­ver­wal­tung, bie­ten Schnitt­stel­len zur Zoll­ab­wick­lung und Gefahr­gut­an­mel­dung und ent­hal­ten Grund­funk­tio­nen zur Tou­ren­pla­nung und ‑über­wa­chung. Es feh­len aller­dings in der Regel Funk­tio­nen zur Auto­ma­ti­sie­rung der Tou­ren­pla­nung und für die nach­fol­gen­den Auf­ga­ben des Trans­port­ma­nage­ments, wie Fore­cas­ting und Fah­­rer-Unter­­stüt­zung.

Tourenplanungssoftware

Tou­ren­pla­nungs­soft­ware unter­stützt Unter­neh­men bei der Pla­nung und Opti­mie­rung von Tou­ren. Die zu ver­pla­nen­den Trans­port­auf­trä­ge wer­den in aller Regel von Vor­sys­te­men, wie ERP-Sys­­­te­­men oder Spe­di­ti­ons­soft­ware, über­nom­men. Häu­fig ver­wen­den Tou­ren­pla­nungs­sys­te­me mathe­ma­ti­sche Opti­mie­rungs­al­go­rith­men, die auto­ma­ti­siert Tou­ren­plä­ne nach vor­ge­ge­be­nen Kri­te­ri­en erstel­len kön­nen. Eine Über­wa­chung und Steue­rung der Trans­port­durch­füh­rung erfolgt in rei­nen Tou­ren­pla­nungs­sys­te­men oft gar nicht oder nur rudi­men­tär. Zum Teil ver­fü­gen die Lösun­gen über kei­ne eige­ne Benut­zer­ober­flä­che, son­dern nur aus einem Opti­mi­zer, der die gene­rier­ten Tou­ren­plä­ne an das vor­ge­la­ger­te ERP- oder Spe­di­ti­ons­soft­ware­sys­tem zurück­gibt.

Transportleitstandsysteme

Der Begriff des Trans­port­leit­stands ist abge­lei­tet von den aus der Indus­trie bekann­ten Pro­duk­ti­ons­leit­stän­den, mit denen der Pro­duk­ti­ons­ab­lauf inner­halb eines Maschi­nen­parks geplant und über­wacht wer­den kann. Der Trans­port­leit­stand unter­stützt ganz­heit­lich die Auf­ga­ben des Trans­port­dis­po­nen­ten und grenzt sich damit von Spe­di­ti­ons­soft­ware und Tele­ma­tik­sys­te­men ab, die den admi­nis­tra­ti­ven User bzw. den Fah­rer als pri­mä­ren Anwen­der fokus­sie­ren.

Kern­funk­tio­nen des Trans­port­leit­stands sind die (auto­ma­ti­sier­te) Tou­ren­pla­nung und Dis­po­si­ti­on, die Über­wa­chung und Steue­rung der lau­fen­den Trans­por­te sowie die Berech­nung der vor­aus­sicht­li­chen Ent­wick­lung in den nächs­ten Stun­den, die als Fore­cas­ting bezeich­net wird. Dabei kommt vor allem dem ETA-Fore­­cas­­ting, also der Berech­nung der vor­aus­sicht­li­chen Ankunfts­zeit (Esti­ma­ted Time of Arri­val) eine immer grö­ße­re Bedeu­tung zu, da sowohl für den Kun­den als auch für die eige­ne Kom­mis­sio­nie­rung die Kennt­nis der ETA-Zei­­ten für die Steue­rung der wei­te­ren Abläu­fe beson­ders wert­voll ist.

Die lau­fen­de Ein­be­zie­hung der aktu­el­len Lenk­zeit­da­ten des Fah­rers spielt sowohl für die Tou­ren­pla­nung als auch für das Fore­cas­ting eine wich­ti­ge Rol­le. Trans­port­leit­stand­sys­te­me sind des­halb durch eine enge Inte­gra­ti­on nicht nur mit vor­ge­la­ger­ten ERP- oder Spe­di­ti­ons­soft­ware­sys­te­men, son­dern auch mit nach­ge­la­ger­ten Tele­ma­tik­sys­te­men gekenn­zeich­net.

Telematiksysteme

Tele­ma­tik ver­knüpft Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und Infor­ma­tik mit­ein­an­der. Im Kon­text des Trans­port­ma­nage­ments bedeu­tet dies die Über­tra­gung von Daten zwi­schen der Dis­po­si­ti­on auf der einen und dem Fahr­zeug bzw. Fah­rer auf der ande­ren Sei­te. Tele­ma­tik­sys­te­me bestehen zumeist aus einer mobi­len Anwen­dung, die durch den Fah­rer bedient wird und einer web­ba­sier­ten Benut­zer­ober­flä­che für den Dis­po­nen­ten zur Über­wa­chung und Steue­rung der Tou­ren. Tele­ma­tik­an­bie­ter bezeich­nen ihre Lösun­gen immer häu­fi­ger auch als Trans­port Manage­ment Sys­te­me und sind des­halb Bestand­teil die­ser Klas­si­fi­ka­ti­on.

Bild: iStock (Bim)

Transport-Plattformen

Tran­s­­port-Plat­t­­for­­men sind kei­ne Trans­port Manage­ment Sys­te­me im enge­ren Sin­ne und stel­len des­halb eine Son­der­klas­se dar. Sie unter­stüt­zen die Trans­port­ver­ga­be eines beauf­tra­gen­den Unter­neh­mens (Ver­sen­der oder Spe­di­ti­on) an einen Dienst­leis­ter, der die Ver­ant­wor­tung für die Durch­füh­rung des Trans­ports über­nimmt. Das wei­te­re Manage­ment des ver­ge­be­nen Trans­ports obliegt somit dem Dienst­leis­ter.
Inzwi­schen wer­den Tran­s­­port-Plat­t­­for­­men zum Teil auch durch Funk­tio­nen zur Sen­dungs­ver­fol­gung ergänzt, so dass der Auf­trag­ge­ber zwar kei­ne voll­stän­di­ge Kon­trol­le, aber zumin­dest Trans­pa­renz über den Aus­lie­fe­rungs­pro­zess hat.

Zusätz­lich zu beach­ten sind die meist noch als Star­tups agie­ren­den „Digi­ta­len Spe­di­tio­nen“, die seit eini­gen Jah­ren mit ihren Tran­s­­port-Plat­t­­for­­men auf den Markt drän­gen. Sie stel­len jedoch anders als bis­lang im Markt üblich kei­ne pro­prie­tä­re Soft­ware mehr zur Ver­fü­gung, son­dern tre­ten sel­ber als Anbie­ter spe­di­tio­nel­ler Leis­tun­gen auf. Dabei füh­ren sie auf ihren Online-Plat­t­­for­­men ein Matching zwi­schen Tran­s­­port-Anfra­gen auf der einen und frei­en Tran­s­­port-Kapa­zi­­tä­­ten der teil­neh­men­den Trans­port­un­ter­neh­men auf der ande­ren Sei­te durch.

Fazit

Mit Hil­fe der dar­ge­stell­ten Ein­tei­lung in fünf Klas­sen kön­nen Anwen­der eine Vor­se­lek­ti­on der für sie rele­van­ten Trans­port Manage­ment Sys­te­me vor­neh­men. Die zen­tra­len Fra­gen aus Anwen­der­sicht sind dabei:

  • Wel­che User will ich vor allem mit dem neu­en Sys­tem unter­stüt­zen?
  • Wel­che Auf­ga­ben sol­len durch sehr umfas­sen­de Funk­tio­nen abge­bil­det wer­den und wo reicht Basis­funk­tio­na­li­tät aus?
  • Wel­che Lösung adres­siert nur das, was ich benö­ti­ge, und bei wel­cher Lösung kau­fe ich viel mehr als ich brau­che?

Der Arti­kel hat Ihnen gefal­len? Dann wür­de ich mich freu­en, wenn Sie ihn über die fol­gen­den Sha­­re-But­­tons mit Ihrem Netz­werk tei­len. Vie­len Dank dafür.

Dr. Stefan Anschütz
Autor:
Dr. Ste­fan Anschütz

Per E‑Mail abonnieren

 

Blei­ben Sie immer auf dem Lau­fen­den mit unse­rem Blog-Abo!

Jetzt
anmel­den

Artikel zu ähnlichen Themen

Menü