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TRANSPORTMANAGEMENT

Was ist eigentlich ein Transport Management System und worin unterscheidet sich Speditionssoftware?

Lese­zeit: 5 min

Sucht man als Anwen­der nach einem geeig­ne­ten Trans­port Manage­ment Sys­tem, kurz TMS, so wird man bei der Inter­net­re­cher­che schnell von einer gro­ßen Men­ge an Pro­dukt­tref­fern erschla­gen. Bei genaue­rer Betrach­tung erkennt man aller­dings, dass sich hin­ter dem Schlag­wort TMS Pro­duk­te mit zum Teil sehr unter­schied­li­chen Funk­tio­na­li­tä­ten und Anwen­dungs­fäl­len ver­ber­gen. Es ent­steht bis­wei­len der Ein­druck, dass ein Sys­tem nur im wei­tes­ten Sin­ne etwas mit Trans­por­ten oder Spe­di­tio­nen zu tun haben muss, um als TMS bezeich­net wer­den zu kön­nen. Anlass genug, die Fra­ge zu beleuch­ten, was im All­ge­mei­nen unter einem Trans­port Manage­ment Sys­tem zu ver­ste­hen ist.

Begriffsdefinition

Zunächst ein­mal ist fest­zu­stel­len, dass das Kür­zel TMS sowohl als Abkür­zung für Trans­port Manage­ment Sys­tem ver­wen­det wird als auch für Trans­port Manage­ment Soft­ware. Dies ist unpro­ble­ma­tisch, da bei­de Begrif­fe die glei­che Art von Soft­ware­sys­tem bezeich­nen und somit syn­onym ver­wen­det wer­den kön­nen.

All­ge­mein beschäf­tigt sich ein Trans­port Manage­ment Sys­tem mit der Pla­nung, Aus­füh­rung und Opti­mie­rung der phy­si­schen Bewe­gung von Gütern.[1] Es ist dabei als logis­ti­sche Platt­form zu betrach­ten, die den Anwen­der in die Lage ver­setzt, den täg­li­chen Ein­satz der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Trans­port­mit­tel zu pla­nen, zu über­wa­chen und zu opti­mie­ren. Die­se Auf­zäh­lung beschreibt ziem­lich genau die zen­tra­len Auf­ga­ben des Dis­po­nen­ten. Damit wird klar, dass der Haupt­an­wen­der eines TMS der Dis­po­nent ist.

Grund­sätz­lich kann es sich bei den Trans­port­mit­teln um Schif­fe, Eisen­bah­nen, Flug­zeu­ge oder Lkw han­deln. Die meis­ten der­zeit am Markt ange­bo­te­nen Trans­port Manage­ment Sys­te­me legen ihren Schwer­punkt aber auf die Steue­rung von Lkw-Flo­t­­ten.

Übli­cher­wei­se wird der TMS-Begriff nur in Ver­bin­dung mit exter­nen Trans­por­ten ver­wen­det. Der inner­be­trieb­li­che Trans­port wird laut DIN 30781 mit „För­dern“ bezeichnet[2] und soft­ware­tech­nisch in der Regel auch nicht über ein TMS, son­dern über ein Intra­lo­gis­tik­sys­tem abge­bil­det.

Funktionen von Transport Management Systemen

Die am Markt unter dem Begriff Trans­port Manage­ment Sys­te­me ange­bo­te­nen Soft­ware­lö­sun­gen umfas­sen häu­fig fol­gen­de Funk­tio­na­li­tä­ten:

  • Erfas­sung und Ver­wal­tung von Trans­port­auf­trä­gen
  • Kos­ten­kal­ku­la­ti­on
  • Tou­ren­pla­nung und Dis­po­si­ti­on
  • Tele­ma­tik­funk­tio­nen zur Trans­port­steue­rung und Tou­ren­über­wa­chung
  • Sen­dungs­ver­fol­gung
  • Abrech­nung, inter­ne Ver­rech­nung oder Anbin­dung nach­ge­la­ger­ter ERP-Sys­­­te­­me

Ob tat­säch­lich alle die­se Funk­tio­nen oder nur ein Teil von ihnen benö­tigt wird, hängt stark von den indi­vi­du­el­len Anfor­de­run­gen des anwen­den­den Unter­neh­mens ab. Dabei sind ins­be­son­de­re die Blick­win­kel von Trans­por­teu­ren und Ver­la­dern klar von­ein­an­der zu unter­schei­den.

Unterschiedliche Blickwinkel auf das TMS: Transportdienstleister versus Verlader

His­to­risch gese­hen erfolg­te die IT-Unter­­stüt­zung des Trans­port Manage­ment zunächst durch die Spe­di­ti­ons­soft­ware des Tran­s­­port- und Logis­tik­dienst­leis­ters. Heu­ti­ge Trans­port Manage­ment Sys­te­me stel­len eine Wei­ter­ent­wick­lung der kon­ven­tio­nel­len Spe­di­ti­ons­soft­ware dar und wer­den auch sei­tens der Ver­la­der, also Indus­trie und Han­del, in immer stär­ke­rem Maße ver­wen­det.

Die zum Teil erheb­li­chen funk­tio­na­len Unter­schie­de zwi­schen TMS-Lösun­­gen sind auch durch die unter­schied­li­chen Blick­win­kel und Anfor­de­run­gen von Trans­port­un­ter­neh­men und Ver­la­dern zu erklä­ren. Für den Trans­por­teur stellt die Durch­füh­rung von Trans­por­ten den Kern der Wert­schöp­fung sei­nes Unter­neh­mens dar. Um die­sen Kern dre­hen sich für ihn fast alle Pro­zes­se. Hin­sicht­lich der Unter­stüt­zung durch Soft­ware hat der Trans­por­teur des­halb die Anfor­de­rung, in mög­lichst einem ein­zi­gen mono­li­thi­schen Sys­tem alle Unter­neh­mens­pro­zes­se abbil­den zu kön­nen. Zur Befrie­di­gung die­ser Anfor­de­rung ent­stan­den seit Ende der 1980er Jah­re soge­nann­te „Spe­di­ti­ons­soft­ware­sys­te­me“. Sie fokus­sier­ten zunächst aller­dings die ver­trieb­li­chen und kauf­män­ni­schen Anfor­de­run­gen der Trans­port­un­ter­neh­men. Spä­ter wur­den in den Sys­te­men oft ein­fa­che Funk­tio­nen zur Dis­po­si­ti­on und Tou­ren­pla­nung sowie zur Durch­füh­rungs­über­wa­chung ergänzt. Mit dem Auf­kom­men des TMS-Begriffs wur­den die­se Spe­di­ti­ons­soft­ware­sys­te­me dann auch unter dem Label Trans­port Manage­ment Sys­tem ver­kauft.

Die Ansicht, dass „heu­ti­ge Trans­port Manage­ment Sys­te­me eine Wei­ter­ent­wick­lung der kon­ven­tio­nel­len Spe­di­ti­ons­soft­ware darstellen“[3], ist vor dem Hin­ter­grund die­ser his­to­ri­schen Ent­wick­lung ver­tret­bar. Aller­dings wird dabei nicht berück­sich­tigt, dass die Anfor­de­run­gen von Ver­la­dern an ein Trans­port Manage­ment Sys­tem deut­lich von denen der Trans­por­teu­re und Spe­di­tio­nen abwei­chen.

Für das Trans­port­ma­nage­ment des Ver­la­ders spie­len admi­nis­tra­ti­ve, kauf­män­ni­sche und ver­trieb­li­che Auf­ga­ben wie Kun­den­ver­wal­tung, Ange­bots­er­stel­lung oder Fak­tu­ra in der Regel kei­ne Rol­le, da die­se Funk­tio­nen übli­cher­wei­se in ERP-Sys­­­te­­men abge­bil­det wer­den und sich nicht nur auf die Trans­port­leis­tung, son­dern pri­mär auf die gelie­fer­ten Waren bezie­hen. Im Mit­tel­punkt der von der ver­la­den­den Wirt­schaft benö­tig­ten Trans­port Manage­ment Sys­te­me ste­hen viel­mehr die Funk­tio­nen, die schon in der oben zitier­ten Begriffs­de­fi­ni­ti­on als Kern­ele­men­te genannt wur­den: Pla­nung, Opti­mie­rung und Über­wa­chung der Trans­por­te. Ergänzt wer­den die TMS-Kern­e­le­­men­­te für den Ver­la­der durch Funk­tio­nen zur Aus­wahl und Daten­an­bin­dung des Trans­por­teurs.

Berück­sich­tigt man die Anfor­de­run­gen der Ver­la­der in der begriff­li­chen Abgren­zung zwi­schen Spe­di­ti­ons­soft­ware und TMS, so trifft wohl am bes­ten die fol­gen­de For­mu­lie­rung zu: Spe­di­ti­ons­soft­ware­lö­sun­gen umfas­sen zum Teil auch TMS-Fun­k­­ti­o­­nen, dar­über hin­aus bie­ten sie übli­cher­wei­se aber auch noch eini­ges an Zusatz­funk­tio­na­li­tät im kauf­­män­­nisch-admi­­nis­­tra­­ti­­ven Bereich, da dort der Anwen­dungs­fo­kus von Spe­di­ti­ons­soft­ware liegt.

Die fol­gen­de Abbil­dung stellt die TMS-Anfor­­de­­run­­gen von Trans­por­teu­ren und Ver­la­dern gegen­über und ver­deut­licht, dass die Schnitt­men­ge gera­de bei den Kern­funk­tio­nen Pla­nung (Tou­ren­pla­nung), Opti­mie­rung und Über­wa­chung von Trans­por­ten lie­gen.

Zusatzfunktionen zur digitalen Vernetzung mit Kunden

Im Zuge der Digi­ta­li­sie­rung des Trans­port­ma­nage­ments bie­ten immer mehr Trans­port Manage­ment Sys­te­me auch die Mög­lich­keit, den Kun­den bzw. Waren­emp­fän­ger in den elek­tro­ni­schen Daten­fluss ein­zu­be­zie­hen. Dies erfolgt zum Bei­spiel über Funk­tio­nen zur Sen­dungs­ver­fol­gung oder zum auto­ma­ti­schen Ver­sand von Avi­sen, also elek­tro­ni­schen Mit­tei­lun­gen zum vor­aus­sicht­li­chen Lie­fer­zeit­punkt (auch Esti­ma­ted Time of Arri­val oder kurz ETA) der Ware.

Durch die Inte­gra­ti­on von Tele­ma­tik­sys­te­men kön­nen dar­über hin­aus auch Lie­fer­schei­ne elek­tro­nisch an den Fah­rer über­mit­telt und bei Waren­aus­lie­fe­rung mit digi­ta­len Kun­den­un­ter­schrif­ten ver­se­hen wer­den. Der elek­tro­ni­sche Lie­fer­schein inkl. Kun­den­un­ter­schrift kann anschlie­ßend digi­tal an das TMS rück­über­mit­telt und dem Kun­den papier­los zur Ver­fü­gung gestellt wer­den.

Die­se Zusatz­funk­tio­nen zur digi­ta­len Ver­net­zung sind sowohl für Ver­la­der als auch für Trans­por­teu­re rele­vant und soll­ten heut­zu­ta­ge in kei­nem Trans­port Manage­ment Sys­tem feh­len.

Fazit

Kern­ele­men­te eines Trans­port Manage­ment Sys­tems sind die Funk­tio­nen zur Planung/Tourenplanung, Opti­mie­rung und Über­wa­chung der Trans­por­te. Haupt­an­wen­der ist der Dis­po­nent. Die am Markt unter dem Begriff Trans­port Manage­ment Sys­tem ange­bo­te­nen Soft­ware­lö­sun­gen umfas­sen zum Teil deut­lich mehr Funk­tio­nen, ins­be­son­de­re wenn es sich um Spe­di­ti­ons­soft­ware han­delt. Für Spe­di­tio­nen kön­nen die­se Mehr­funk­tio­nen inter­es­sant sein, für Ver­la­der in der Regel nicht.

Lei­der wer­den teil­wei­se auch Sys­te­me unter dem Schlag­wort TMS ange­bo­ten, in denen die Kern­funk­tio­nen Pla­nung, Opti­mie­rung und Über­wa­chung gar nicht oder nur zum gerin­gen Teil vor­han­den sind. Für die­se Pro­duk­te ist die Ver­wen­dung des Begriffs Trans­port Manage­ment Sys­tem als grenz­wer­tig anzu­se­hen.

Quel­len:

[1] https://searcherp.techtarget.com/definition/transportation-management-system-TMS; 11.02.2019

[2] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/transport-47563; 11.02.2019

[3] Kraft, Vol­ker; Scho­ne­bom, Jens: Tran­s­­port-Mana­ge­­ment-Sys­­­te­­me. In: Ten Hom­pel, Micha­el (Hrsg.): IT in der Logis­tik 2013/2014 : Markt­über­sicht & Funk­ti­ons­um­fang: Enterprise-Resource.Planning, Wareh­ou­se-Mana­ge­­ment, Tran­s­­port-Mana­ge­­ment & Sup­­ply-Chain-Mana­ge­­ment-Sys­­­te­­me

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Dr. Stefan Anschütz
Autor:
Dr. Ste­fan Anschütz

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