Transportlogistik in Zeiten von Corona
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TRANSPORTMANAGEMENT

Transportlogistik in Zeiten der Corona-Krise

Lese­zeit: 4 min

Das Jahr 2020 wird als ein Kri­sen­jahr mit deut­li­chen Umsatz­rück­gän­gen, die auch den euro­päi­schen Fracht­ver­kehr tref­fen, in die Geschich­te ein­ge­hen. Die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen der Coro­­na-Pan­­de­­mie sind noch nicht abzu­se­hen. Bei der Ana­ly­se der Situa­ti­on soll­te man aller­dings berück­sich­ti­gen, dass die Logis­­tik-Pro­­­gno­­sen schon vor Coro­na pes­si­mis­tisch waren, wie Stu­di­en von PwC und BGL dar­stel­len. Und wie jede Kri­se zeigt auch Coro­na Chan­cen und Poten­zia­le auf – ins­be­son­de­re im Bereich der Digi­ta­li­sie­rung.

Bei kon­junk­tu­rel­len Abwärts­be­we­gun­gen und stei­gen­der Arbeits­lo­sig­keit ließ sich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten nur sel­ten eine ein­zel­ne Ursa­che fest­stel­len. Das gilt beson­ders für eine glo­ba­li­sier­te Wirt­schaft, in der die Zusam­men­hän­ge kaum noch zu über­bli­cken sind. Die Coro­­na-Pan­­de­­mie hat hier aller­dings neue Maß­stä­be gesetzt, sie ist ohne Zwei­fel Haupt­ver­ur­sa­cher der aktu­el­len welt­wei­ten Wirt­schafts­kri­se.

Das Virus trägt einen erheb­li­chen Teil zum Aus­maß und der Geschwin­dig­keit der Rezes­si­on bei. Die hohe Anste­ckungs­ge­fahr und die tücki­schen Über­tra­gungs­we­ge füh­ren in eini­gen Wirt­schafts­zwei­gen wie der Gas­tro­no­mie, Tou­ris­tik, Hotel­le­rie oder der Luft­fahrt zu dras­ti­schen Umsatz­ein­bu­ßen. Auf­grund der seit Herbst­be­ginn erneut ein­tre­ten­den dyna­mi­schen Ent­wick­lung der Infek­ti­ons­zah­len muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich die Situa­ti­on in die­sen Bran­chen wei­ter ver­schärft.

Rückgang um 8,6 Prozent

Auch die euro­päi­sche Tran­s­­port- und Logis­tik­bran­che ist von der Coro­na­kri­se betrof­fen. Die Brut­to­wert­schöp­fung soll 2020 nach Berech­nun­gen der Wir­t­­schafts­­­prü­­fungs- und Bera­tungs­ge­sell­schaft PwC um 8,6 Pro­zent zurück­ge­hen. Nur lang­sam und in einem soge­nann­ten U‑Szenario wer­de sich die Bran­che erho­len, heißt es im Juli erschie­ne­nen „Trans­port and logistics baro­me­ter“, einer von PwC her­aus­ge­ge­be­nen Ana­ly­se. Aus einer aktu­el­len Stu­die der Unter­neh­mens­be­ra­tung McK­in­sey & Com­pa­ny geht zudem her­vor, dass gera­de in der Tran­s­­port- und Logis­tik­bran­che Coro­­na-bedingt die Angst vor Insol­ven­zen im Mit­tel­stand steigt.

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Schon vor Corona rückläufig

Eben­so pes­si­mis­tisch ist die Kon­junk­tur­ana­ly­se des Bun­des­ver­bands Güter­kraft­ver­kehr Logis­tik und Ent­sor­gung BGL. Die­se stellt aller­dings auch fest, dass die Geschäfts­la­ge im Trans­port­lo­gis­tik­ge­wer­be schon lan­ge vor der Coro­­na-Kri­­se rück­läu­fig war. Das ergab eine regel­mä­ßig durch­ge­führ­te Befra­gung des Bran­chen­ver­bands, an der sich 266 Trans­port­un­ter­neh­men betei­lig­ten. Dem­nach war der Umsatz bereits im vier­ten Quar­tal 2019 rück­läu­fig.

Der Geschäfts­­la­­ge-Sal­­do, eine der wich­tigs­ten Mess­grö­ßen für die wirt­schaft­li­che Lage der Unter­neh­men, fiel dem Bericht zufol­ge auf einen Wert von minus 25 Pro­zent. Auch die Pro­gno­se­wer­te für das ers­te Quar­tal 2020 sei­en schon vor Coro­na „deut­lich nega­tiv“ gewe­sen. Für das ers­te Halb­jahr waren schon damals 32 Pro­zent der Befrag­ten pes­si­mis­tisch. Und auch in allen ande­ren Berei­chen attes­tiert der BGL den „schlech­tes­ten Wert seit fast sie­ben Jah­ren“.

Konjunktur hat lange geschnurrt

Dar­an wird deut­lich, dass zumin­dest Euro­pa schon 2019 auch ohne Pan­de­mie einer (Mini-)Krise ent­ge­gen­schlit­ter­te. Nach rund zehn Jah­ren der wirt­schaft­li­chen Erho­lung in Deutsch­land war dies auch nicht ver­wun­der­lich. Ange­sichts des anhal­ten­den Booms waren Volks­wirt­schaft­ler ohne­hin schon über das unent­weg­te Schnur­ren des Kon­junk­tur­mo­tors ver­wun­dert.

Wer bis­her als Trans­port­un­ter­neh­mer und Logis­tik­dienst­leis­ter ver­gleichs­wei­se stark auf Kun­den aus der Auto­­mo­­ti­­ve-Bran­che gesetzt hat­te, wur­de nun durch Coro­na beson­ders hart getrof­fen. Zuvor bereits hat­ten die Dis­kus­sio­nen um den Kli­ma­wan­del und rea­le Fahr­ver­bo­te in den Innen­städ­ten vie­len Auto­fah­rern die Lust auf Die­­sel- und Ben­zin­kut­schen geraubt. Man­gels elek­trisch ange­trie­be­ner Alter­na­ti­ven und einer zuver­läs­si­gen Lade-Infra­­stru­k­­tur ver­lie­ren deut­sche Pre­mi­um­her­stel­ler der­zeit vie­le Kun­den an Tes­la, der als ein­zi­ger Auto­mo­bil­her­stel­ler auch in der Kri­se mit schwar­zen Zah­len glänzt.

Für vie­le wur­de erst durch die Coro­­na-Kri­­se die Not­wen­dig­keit der Digi­ta­li­sie­rung sicht­bar.

Chance in der Krise

Doch auch bei einem aus­ge­wo­ge­nen Kun­­­den-Por­t­­fo­­lio wird 2020 für Logis­ti­ker ein schwie­ri­ges Jahr, weil die Nach­fra­ge bis auf weni­ge Aus­nah­men auf brei­ter Front brö­ckelt. „Die Fra­ge ist nun, wie schnell und nach­hal­tig sich die Bran­che erho­len kann. Dabei wer­den die Digi­ta­li­sie­rung und Inno­va­tio­nen eine zen­tra­le Rol­le spie­len,“ betont Ingo Bau­er. Der Lei­ter des Bereichs Trans­port und Logis­tik bei PwC Deutsch­land erwar­tet, dass die Kri­se eini­ge dau­er­haf­te Aus­wir­kun­gen auf die Bran­che haben wird.

So wur­de für vie­le erst durch die Coro­­na-Kri­­se die Not­wen­dig­keit der Digi­ta­li­sie­rung sicht­bar. Allein die Sicher­heits­ab­stän­de am Arbeits­platz las­sen sich meis­tens nur mit einer gro­ßen Zahl von Home­of­­fice-Arbeits­­plä­t­­zen ein­hal­ten. Moder­ne Tran­s­­por­t­­ma­­na­ge­­ment- und Tele­ma­tik­sys­te­me bil­den hier die Basis, um sogar die Dis­po­nen­ten nach Hau­se schi­cken zu kön­nen. Durch die­se Frei­heit steigt nicht zuletzt auch die Attrak­ti­vi­tät als Arbeit­ge­ber.

Fazit: Auch ohne Coro­­na-Pan­­de­­mie wür­den heu­te vie­le Trans­por­teu­re unter Umsatz­ein­bu­ßen lei­den, das Aus­maß der Pan­de­mie hat die laten­ten Pro­ble­me jedoch um ein Viel­fa­ches ver­stärkt. Spä­tes­tens jetzt soll­te an der kon­se­quen­ten Digi­ta­li­sie­rung gear­bei­tet wer­den, um das eige­ne Unter­neh­men zukunfts­si­cher zu machen.

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Marcus Walter
Autor:
Mar­cus Wal­ter
Mar­cus Wal­ter, Jahr­gang 1965, ist Logis­tik-Fach­jour­na­list und seit 2006 frei­be­ruf­lich für ver­schie­de­ne Fach­ver­la­ge und zahl­rei­che Unter­neh­men der Logis­tik­bran­che tätig. Neben sei­ner Arbeit als Blog­ger und Fil­mer berät er sei­ne Kun­den zu The­men rund um die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Zuvor war der gelern­te Spe­di­ti­ons­kauf­mann und Dipl. Betriebs­wirt (FH) Chef­re­dak­teur der Zei­tung Trans­port.

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