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TRANSPORTMANAGEMENT

Fahrermangel oder kommt jetzt der Fahrerboom?

Lese­zeit: 5 min

2016 pro­gnos­ti­zier­te die Unter­neh­mens­be­ra­tung Pri­ce­wa­ter­house­Coo­pers (PWC) ein Ende des Fah­rer­man­gels bis zum Jahr 2030 und stütz­te die­se Annah­me auf die bis dahin wei­te Ver­brei­tung des auto­no­men Fah­rens. PWC ging davon aus, dass künf­tig kaum noch Fah­rer benö­tigt wer­den. Vier Jah­re spä­ter steht fest: Der Bedarf an Fah­rern wird auch durch das auto­no­me Fah­ren kaum sin­ken. Den­noch könn­te die neue Tech­no­lo­gie hel­fen, den Fah­rer­man­gel nach­hal­tig zu behe­ben.

Ähn­lich wie gewis­se Viren kennt auch der Fah­rer­man­gel kei­ne Lan­des­gren­zen und wur­de längst zum inter­na­tio­na­len Pro­blem – ganz spe­zi­ell inner­halb von Euro­pa. Erst im März schlug die Inter­na­tio­nal Road Trans­port Uni­on (IRU) Alarm. Der Welt­ver­band der Stra­ßen­trans­port­wirt­schaft sag­te vor­aus, dass der ohne­hin schon gro­ße Fah­rer­man­gel im Jahr 2020 von 23 auf 36 Pro­zent wei­ter steil nach oben klet­tern wer­de. Das bedeu­tet, dass 36 Pro­zent aller Arbeits­plät­ze in die­sem Bereich nicht besetzt wer­den kön­nen. Basis ist eine eige­ne Unter­su­chung unter klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Trans­port­un­ter­neh­men in zehn euro­päi­schen Län­dern.

Sichere Perspektive

Als Lösungs­an­sät­ze emp­fiehlt der Ver­band bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen hin­sicht­lich War­te­zei­ten und Wasch­räu­men, mehr Park­plät­ze sowie eine euro­pa­weit ein­heit­li­che Absen­kung des Min­dest­al­ters für Berufs­kraft­fah­rer. Der letz­te Vor­schlag könn­te beson­ders schnell wir­ken, denn damit ver­grö­ßert sich der Pool der poten­zi­el­len Bewer­ber auf einen Schlag. Um jun­ge Men­schen für das Truckerle­ben zu begeis­tern, muss man ihnen aber auch eine siche­re Zukunfts­per­spek­ti­ve geben. Die Dis­kus­sio­nen um das auto­no­me Fah­ren wir­ken an die­ser Stel­le kon­tra­pro­duk­tiv. Nie­mand möch­te sein Leben auf einem Beruf auf­bau­en, den es in weni­gen Jah­ren angeb­lich schon gar nicht mehr gibt.

Dabei sind die Befürch­tun­gen, dass Fah­rer bald über­flüs­sig wer­den, völ­lig unbe­grün­det. Die Luft­fahrt bie­tet hier das bes­te Bei­spiel: Dort hat der Auto­pi­lot den Men­schen nicht ersetzt. Pilot und Copi­lot wer­den auch in Zukunft in kei­ner Crew feh­len und Ähn­li­ches gilt auch für den LKW. Der Fah­rer hat schließ­lich meh­re­re Auf­ga­ben, die weit über das eigent­li­che Len­ken hin­aus­ge­hen: Er ist Beglei­ter der ihm anver­trau­ten Güter und ver­ant­wort­lich für die Über­ga­be an den Emp­fän­ger sowie für Tran­s­­port- und Ladungs­si­che­rung. Zudem ist der Fah­rer als direk­ter Ansprech­part­ner für den Kun­den die Visi­ten­kar­te des Unter­neh­mens und damit ein wich­ti­ger Image­fak­tor. Das auto­no­me Fah­ren – wenn es denn kommt – stellt für den Beruf des Kraft­fah­rers also kei­ne Gefahr dar.

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Dank und Anerkennung

Auch die Coro­­na-Kri­­se könn­te letzt­lich dazu bei­tra­gen, dass sich wie­der mehr jun­ge Män­ner und Frau­en für den Beruf des Kraft­fah­rers inter­es­sie­ren. Schließ­lich gehört das Trans­por­tie­ren von Waren zu den sys­tem­re­le­van­ten Tätig­kei­ten, die für die Wirt­schaft abso­lut unver­zicht­bar sind. Berufs­kraft­fah­rer gehö­ren zu den­je­ni­gen, die von der Gesell­schaft der­zeit gro­ßen Dank und Aner­ken­nung emp­fan­gen. Und nicht zuletzt muss die­se Ziel­grup­pe kei­ne Angst vor dem sozia­len Abstieg haben – ihre Arbeits­plät­ze sind sicher und Kurz­ar­beit ist hier die Aus­nah­me. Sol­che Wer­te ste­hen bei der Jugend wie­der hoch im Kurs, was bis Dezem­ber 2019 noch nicht der Fall war. Die in den 90er Jah­ren in Deutsch­land gebo­re­nen und auf­ge­wach­se­nen Bür­ger waren bis­her ver­wöhnt vom lang­jäh­ri­gen Auf­schwung, einem üppi­gen Ange­bot an Aus­bil­dungs­plät­zen, Fach­kräf­te­man­gel und Job-Garan­­ti­en. Die kom­men­de Wirt­schafts­kri­se wird die­se Erfah­rungs­welt auf den Kopf stel­len.

Technologiegestützte Logistikmanager

Als wahr­schein­lich siche­rer Arbeits­platz könn­te sich die Beliebt­heit des Fah­rer­be­rufs also deut­lich stei­gern. Hin­zu kommt, dass sich das Berufs­bild stark ver­än­dern und höhe­re Anfor­de­run­gen an die tech­no­lo­gi­sche Kom­pe­tenz stel­len wird. In Zukunft wird es zum Bei­spiel kei­ne aus­ge­druck­ten Begleit­pa­pie­re mehr geben. Die­se wer­den in allen Bran­chen durch digi­ta­le Lösun­gen ersetzt, die vom Fah­rer bedient wer­den müs­sen. Elek­tro­ni­sche Lie­fer­schei­ne, Sta­tus­mel­dun­gen, Ablie­fer­quit­tun­gen auf dem Dis­play des Hand­helds oder das Erfas­sen von Abhol­auf­trä­gen direkt beim Kun­den vor Ort wer­den zum Stan­dard.

Zudem wer­den sich die Fah­rer­as­sis­tenz­sys­te­me immer stär­ker im LKW durch­set­zen, womit sich die Auf­ga­ben noch­mals ver­än­dern und neue Chan­cen ent­ste­hen wer­den: Fah­rer über­neh­men die Rol­le des tech­no­lo­gie­ge­stütz­ten Logis­tik­ma­na­gers, wodurch der Beruf attrak­tiv für tech­nisch ver­sier­te Mill­en­ni­als wird. Das Fah­ren wird zur Neben­sa­che, wäh­rend sich der LKW über gro­ße Stre­cken­ab­schnit­te voll­au­to­ma­ti­siert bewe­gen wird. In die­sen Pha­sen hat der Fah­rer Zeit für ande­re Tätig­kei­ten. Er könn­te Auf­ga­ben der Dis­po­si­ti­on oder des Kun­den­ser­vice über­neh­men und sich dabei vom Trans­port­ma­nage­ment­sys­tem unter­stüt­zen las­sen. Somit wird er nicht nur wäh­rend der Be- und Ent­la­dung, son­dern wäh­rend der gesam­ten Tour ein inte­grier­ter Teil des digi­ta­len Lie­fer­pro­zes­ses.

Fazit: Der Fah­rer­man­gel kann mit­tel­fris­tig beho­ben wer­den, denn der Beruf wird durch tech­no­lo­gi­sche, wirt­schaft­li­che und gesell­schaft­li­che Fak­to­ren an Beliebt­heit und Image gewin­nen. Als siche­rer Arbeits­platz mit hoher Sys­tem­re­le­vanz und anspruchs­vol­len Zusatz­auf­ga­ben könn­te er inner­halb der nächs­ten fünf Jah­re sogar einen Boom erle­ben.

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4 Grün­de, war­um der Fah­rer­man­gel schon bald über­wun­den wer­den könn­te:

  • Stei­gen­de Image­wer­te durch hohe Sys­tem­re­le­vanz für eine funk­tio­nie­ren­de Gesell­schaft
  • Hohe Arbeits­platz­si­cher­heit spielt in Kri­sen­zei­ten eine zuneh­men­de Rol­le
  • Neue Tech­no­lo­gien und Fahr­as­sis­tenz­sys­te­me schaf­fen Frei­räu­me für zusätz­li­che Auf­ga­ben und Kom­pe­ten­zen, die weit über das Fah­ren hin­aus­ge­hen
  • Auto­no­mes Fah­ren wird den Berufs­kraft­fah­rer nur in Aus­nah­me­fäl­len erset­zen und sorgt für ein ange­neh­me­res Arbeits­um­feld sowie ein Plus an Sicher­heit

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Marcus Walter
Autor:
Mar­cus Wal­ter
Mar­cus Wal­ter, Jahr­gang 1965, ist Logis­tik-Fach­jour­na­list und seit 2006 frei­be­ruf­lich für ver­schie­de­ne Fach­ver­la­ge und zahl­rei­che Unter­neh­men der Logis­tik­bran­che tätig. Neben sei­ner Arbeit als Blog­ger und Fil­mer berät er sei­ne Kun­den zu The­men rund um die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Zuvor war der gelern­te Spe­di­ti­ons­kauf­mann und Dipl. Betriebs­wirt (FH) Chef­re­dak­teur der Zei­tung Trans­port.

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