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TRANSPORTMANAGEMENT

ETA-Berechnung für Lkw-Flotten

Lese­zeit: 5 min

In den letz­ten Jah­ren rückt die Berech­nung der vor­aus­sicht­li­chen Ankunfts­zeit von Fahr­zeu­gen (ETA — Esti­ma­ted Time of Arri­val) immer stär­ker in den Fokus der gesam­ten Lie­fer­ket­te. Ent­spre­chend befin­den sich unzäh­li­ge Lösun­gen und Diens­te am Markt, von denen vie­le ihr Geld nicht wert sind.

Wenn es dar­um geht, dem Kun­den, dem Auf­trag­ge­ber oder sich selbst gegen­über über­haupt erst ein­mal eine gro­be Infor­ma­ti­on zur ETA zu lie­fern, rückt die Wich­tig­keit nach der ver­läss­li­chen Berech­nung meist in den Hin­ter­grund. Doch je umfang­rei­cher die Abhän­gig­kei­ten von Trans­por­ten inner­halb einer Lie­fer­ket­te sind, umso wich­ti­ger ist eine ver­läss­li­che ETA.

Unge­naue Anga­ben erhö­hen den Frust der Person(engruppe), der die ETA genannt wird. Somit erreicht man mit einer unge­nau­en ETA schnel­ler als man denkt das genaue Gegen­teil von dem, was man mit der ETA eigent­lich errei­chen woll­te.

Eine ver­läss­li­che ETA bedeu­tet u.a.:

  • Erhö­hung der Ser­vice­qua­li­tät
  • Erhöh­te Reak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit bei uner­war­te­ten Vor­komm­nis­sen
  • Bes­se­re Plan­bar­keit der lau­fen­den und nach­fol­gen­den Tou­ren und somit Redu­zie­rung der Logis­tik­kos­ten

Eine unge­naue ETA bedeu­tet:

  • Sen­kung des Ver­trau­ens beim Kunden/Auftraggeber durch eine kom­mu­ni­zier­te Ser­vice­qua­li­tät, die dann nicht ein­ge­hal­ten wird
  • Dis­po­nen­ten und Fah­rer, die die Anga­ben igno­rie­ren und in Pro­zes­se zurück­fal­len, die man eigent­lich ver­bes­sern woll­te
  • Unnö­ti­ger Ver­brauch von Zeit durch Reak­tio­nen auf Vor­komm­nis­se, die letzt­end­lich für die Tour nicht rele­vant gewe­sen wären oder durch aus­blei­ben­de Reak­tio­nen, da das Vor­komm­nis nicht bekannt war

Von ungenau bis verlässlich

Unge­nau und ver­läss­lich las­sen sich im Stra­ßen­ver­kehr natür­lich nicht klar defi­nie­ren. Letzt­end­lich kommt es dar­auf an, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die berech­ne­ten Zei­ten mit der Rea­li­tät über­ein­stim­men. Je weni­ger Daten für die Berech­nung her­an­ge­zo­gen wer­den, umso unwahr­schein­li­cher ist die exak­te Berech­nung einer ETA — im Fol­gen­den als „unge­naue ETA“ bezeich­net. Wer­den hin­ge­gen vie­le zusätz­li­che Daten berück­sich­tigt, wer­den die ETA Anga­ben immer wahr­schein­li­cher und somit ver­läss­lich.

OSM und Google — nichts für Lkw-Flotten

Die ETA-Berech­­nung in ihrer ein­fachs­ten Form ist fast so alt wie die Berech­nung einer Rou­te von A nach B. A stellt dabei die Posi­ti­on des Fahr­zeugs und B das Ziel dar. Berech­net man nun die benö­tig­te Zeit für die Fahrt von A nach B, ergibt sich aus der Start­zeit der Berech­nung plus die Fahr­zeit von A nach B die ETA.

Wird die­se Berech­nung auf Basis von Kar­ten­ma­te­ri­al von Open­Street­Map oder Goog­le getä­tigt, berech­net man die Zeit auf einem unge­eig­ne­ten Fahr­zeug­pro­fil (Pkw oder bes­ten­falls ver­lang­sam­ter Pkw). Fahr­zeug­re­strik­tio­nen wie zuläs­si­ges Gesamt­ge­wicht, Achs­last, Brei­te, Höhe, Gefahr­gut­klas­se, etc. wer­den nicht berück­sich­tigt. Dies kann zu einer voll­stän­dig ande­ren Stre­cken­be­rech­nung für den Weg von A nach B füh­ren und somit zu einer grob von der Rea­li­tät abwei­chen­den ETA. Erschre­cken­der­wei­se ist die­se Metho­de der Berech­nung die aktu­ell am wei­tes­ten ver­brei­te­te Metho­de.

 

Stau

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Verlässlicher mit „Lkw-Karten“

Wird bei der zuvor genann­ten Metho­de als Basis das Kar­ten­ma­te­ri­al von HERE oder Tom­Tom bzw. die spe­zi­ell für die Logis­tik ver­edel­ten HERE- oder Tom­­Tom-Kar­­ten der PTV ver­wen­det, kommt es dar­auf an, ob der Anbie­ter der ETA Lösung auch die ent­spre­chen­den Zusatz­da­ten (Lkw-Attri­bu­­te) mit ein­be­zieht. Erfolgt dies, wer­den zumin­dest kor­rek­te Rou­ten berech­net. Die ETA ist damit genau­er, jedoch noch lan­ge nicht ver­läss­lich.

Hin­wei­se zum Kar­ten­ma­te­ri­al: Natür­lich gibt es neben den bis­her genann­ten noch etli­che wei­te­re Anbie­ter von Kar­ten­ma­te­ri­al und ‑diens­ten. Die­se set­zen aber in der Regel alle auf den genann­ten Anbie­ter auf und bau­en eige­ne Diens­te um die­ses Kar­ten­ma­te­ri­al her­um. Dar­über hin­aus gibt es noch etli­che regio­na­le Kar­ten­da­ten­an­bie­ter, die im euro­päi­schen Markt aber kei­ne rele­van­te Rol­le spie­len und daher hier nicht genannt wer­den.

Es geht noch besser

Um die Vor­her­sa­ge der ETA noch wei­ter zu ver­bes­sern, kön­nen Ver­kehrs­in­for­ma­tio­nen (aktu­el­le und/oder his­to­ri­sche, inkl. rele­van­ter Ver­zö­ge­run­gen durch Wet­ter­ereig­nis­se) in der Berech­nung berück­sich­tigt wer­den. Hier­bei ist dar­auf zu ach­ten, dass die Ver­kehrs­in­for­ma­tio­nen intel­li­gent ein­ge­bun­den sind. Im Fern­ver­kehr ist z.B. ein Stau bei Frank­furt nicht rele­vant, wenn das Fahr­zeug erst auf der Höhe von Han­no­ver fährt. Bis das Fahr­zeug Frank­furt erreicht, hat sich der Stau in der Regel längst auf­ge­löst. Soll­ten weit ent­fern­te Ereig­nis­se wie Staus o.ä. den­noch sofort in der ETA berück­sich­tigt wer­den, wird für die Dau­er des Ereig­nis­ses eine mit hoher Wahr­schein­lich­keit fal­sche ETA berech­net.

Lenk- und Ruhezeiten — in vielen Fällen ein K.o.-Kriterium

Sind Lenk- und Ruhe­zei­ten für Sie rele­vant? In den meis­ten Fäl­len wahr­schein­lich schon. Dann brin­gen Ihnen die zuvor beschrie­be­nen Metho­den alle wenig, sofern die­se kei­ne Tacho­gra­­phen-Anbin­­dung haben und/oder die ver­wen­de­te Tele­ma­tik (ggf. auch Tele­­ma­­tik-App) die Lenk- und Ruhe­zei­ten nicht zur Berech­nung einer ETA bereit­stellt. Ist die­se Anbin­dung nicht vor­han­den, kann es schnell pas­sie­ren, dass das Fahr­zeug nur noch 30 Fahr­mi­nu­ten bis zum Ziel benö­tigt, durch eine not­wen­di­ge Pau­se des Fah­rers aber in der Rea­li­tät 1 Stun­de und 15 Minu­ten unter­wegs ist.

Nach der Pflicht kommt die Kür — ETA über den Einzelstopp hinaus

Die bis­her dar­ge­stell­ten Punk­te beschrei­ben die ETA zum nächs­ten Stopp. Die Berech­nung der ETA einer gan­zen Tour ist etwas kom­ple­xer, erfor­dert aber letzt­end­lich „nur“ die intel­li­gen­te Anein­an­der­rei­hung von ver­läss­li­chen Fahr­zei­ten der nächs­ten Stopps, ergänzt um Be‑, Ent­­la­­de- und Ser­vice­zei­ten.

Rich­tig gut — für die­je­ni­gen, die ent­spre­chen­de Ver­keh­re nut­zen — sind ETA Lösun­gen aber erst, wenn auch die nach­fol­gen­den Punk­te eben­falls berück­sich­tigt wer­den.

 

Maps

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Fahrzeug-Wiedereinsatz — die Tour nach der Tour

In vie­len Berei­chen der Logis­tik wer­den Fahr­zeu­ge mehr­mals am Tag ein­ge­setzt. Wenn sich hier auf einer Tour Ver­zö­ge­run­gen erge­ben, haben die­se natür­lich auch Aus­wir­kun­gen auf die nach­fol­gen­den Tou­ren. Nur ETA-Lösun­­gen, die alle Tou­ren ken­nen, kön­nen hier kor­rekt war­nen und früh­zei­tig kos­ten­spa­ren­de Ein­grif­fe, Kor­rek­tu­ren und Opti­mie­run­gen ermög­li­chen bzw. nach­fol­gen­de Teil­neh­mer der Lie­fer­ket­te infor­mie­ren.

Begegnungsverkehre / Aufliegertausch

Auch beim Tausch von Auf­lie­gern kommt es dar­auf an, ob die ein­ge­setz­te ETA-Lösung die Tour(en) bei­der Zug­ma­schi­nen kennt. Ist dies der Fall, kann die Ver­spä­tung eines Tausch­part­ners dem ande­ren Tausch­part­ner kom­mu­ni­ziert wer­den und die dar­aus resul­tie­ren­de Aus­wir­kung bei bei­den Tou­ren berück­sich­tigt und mini­miert wer­den. Ein ech­ter Kos­ten­vor­teil – aber eben nur, wenn die ETA auf bei­den Sei­ten ver­läss­lich berech­net wird.

Cross Docking

Durch den hohen Kos­ten­druck und der Erwar­tungs­hal­tung der Emp­fän­ger nach einer schnel­len Lie­fer­zeit, gibt es immer mehr Cross Docking-Ver­­keh­­re. Ähn­lich wie beim Auf­lie­ger­tausch hat die Ver­spä­tung der zubrin­gen­den Ver­keh­re einen hohen Ein­fluss auf die nach­fol­gen­de Lie­fer­ket­te. Erschwe­rend kommt jedoch hin­zu, dass gleich meh­re­re wei­ter­füh­ren­de Fahrzeuge/Touren von der Ver­spä­tung eines zulie­fern­den Fahr­zeugs betrof­fen sein kön­nen. Eine ver­läss­li­che ETA, die zu einer früh­zei­ti­gen Erken­nung einer Ver­spä­tung führt, ist bei Cross Docking-Ver­­keh­­ren daher beson­ders wich­tig.

Wie genau muss es sein?

Wie genau eine ETA für Sie sein muss, soll­te durch die Art Ihrer Trans­por­te defi­niert wer­den. Je weni­ger Sie von Lenk- und Ruhe­zei­ten, Wie­der­ein­satz der Fahr­zeu­ge, Begeg­nungs­ver­keh­ren, Auf­lie­ger­tausch, usw. betrof­fen sind, umso weni­ger rele­vant ist die Berech­nung die­ser Fak­to­ren. Soll­ten Sie aller­dings von den meis­ten die­ser Fak­to­ren betrof­fen sein, soll­ten Sie nach einer Lösung schau­en, die mög­lichst vie­le der genann­ten Metho­den berück­sich­tigt. Die ent­spre­chen­den Lösun­gen kos­ten zwar in der Regel etwas mehr als ein­fa­che Lösun­gen, sind Ihr Geld aber auf jeden Fall wert. Denn nur mit einer für Sie rele­van­ten ver­läss­li­chen ETA errei­chen Sie das Ziel der Stei­ge­rung Ihrer Ser­vice­qua­li­tät, der schnel­le­ren Reak­ti­ons­zei­ten auf unvor­her­ge­se­he­ne Ein­flüs­se und somit der bes­se­ren Plan­bar­keit Ihrer lau­fen­den und nach­fol­gen­den Tou­ren. Dies spart signi­fi­kant Geld, Zeit und Ner­ven.

Die­ser Bei­trag ist ori­gi­när im Okto­ber 2019 bei Lin­kedIn Pul­se ver­öf­fent­licht wor­den.

Der Arti­kel hat Ihnen gefal­len? Dann wür­de ich mich freu­en, wenn Sie ihn über die fol­gen­den Sha­­re-But­­tons mit Ihrem Netz­werk tei­len. Vie­len Dank dafür.

Volker Möller
Autor:
Vol­ker Möl­ler

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